Mittlerweile recht ausgereift ist die Situation auf dem Sektor Banking unter Linux.
Ich selbst benutze seit geraumer Zeit GnuCash um sowohl mein privates als auch das Geschäftskonto zu führen. Im Gegensatz zum ersten Eindruck muss man mit GnuCash nicht zwingend eine vollständige doppelte Buchführung machen. Man kann die "Konten" auch einfach als Buchungs-Kategorien mißbrauchen und nach gutdünken einfach ein paar anlegen. Oder auch nicht, dann bucht man alles auf ein imaginäres Gegenkonto, das einen nicht weiter zu interessieren braucht.
Da ich mein Konto bei der Volksbank habe, bin ich sofort beim ausprobieren der verfügbaren OpenHBCI-Programme auf das nächste Problem gestossen, nämlich dass die Volksbank keine normalen DDV-Karten ausstellt sondern irgendwelche anderen Karten, deren Ansteuerung durch die Software nicht offengelegt ist. Daher können solche Karten nicht mit OpenHBCI bzw. AqBanking benutzt werden.
Seit Ende 2006 werden von den betreffenden Volksbanken offenbar nur noch so genannte SECCOS-Karten ausgestellt. Diese Karten sind nochmal verschieden, können aber laut Auskunft von Martin Preuss (Autor von AqBanking) mittels einer verfügbaren Dokumentation gangbar gemacht werden. Laut einem entsprechenden Posting von Martin auf der AqBanking-devel-Mailingliste macht es der Bank-Verlang dem freiwilligen Programmierer mehr als schwer, aber wenigstens konnte mit einer entsprechenden Spenden-Aktion genügend Geld gesammelt werden um die Spezifikationen doch noch zu erhalten. Wir fiebern also dem Zeitpunkt entgegen, wo wir SECCOS-Karten auch mit AqBanking benutzen können.
Unter der Hand hat SCM, der Hersteller des ChipDrive (der Towitoko aufgekauft hat), die interne Ansteuerung des ChipDrive Micro USB geändert ohne sichtbar die Verpackung zu ändern. Beim alten Gerät wurde per USB ein Serial-converter angesteuert, der dann wie ein herkömmlicher serieller Port genutzt werden konnte. In einer frühen Version der Neuauflage ist es aber offenbar ein reines USB-Gerät, das sich als Product-ID und Vendor-ID jeweils mit "0000" meldet. Nach einer kurzen Kommunikation mit einem Mitarbeiter von SCM konnte das Problem aber zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst werden: Das Gerät müsse defekt sein und ich bekam unbürokratisch und schnell einen neuen Leser.
Eine wertvolle Information noch für alle, die eventuell auch das genannte Problem mit diesem Gerät haben: Sollte es nicht funktionieren, hilft oft ein Firmware-Upgrade. Auf der SCM-Seite kann man die jeweils aktuelle Firmware bekommen. Wenn man auch schön brav Windows als System auswählt. Habe ich also nicht getestet. Immerhin: Für Linux-User gibt es auch die Möglichkeit, den Leser einzuschicken und ihn ein paar Tage später mit neuer Firmware zurück zu bekommen. Offenbar komplett kostenlos.
Um das Gerät mit einer neueren Firmware in Betrieb zu nehmen, empfiehlt sich dann libchipcard3 zusammen mit dem CCID-Treiber. Mir hat dabei die Anleitung von Mario Witte sehr geholfen. Da diese Anleitung fast 1:1 benutzt werden kann (nicht zutreffende Passagen einfach weglassen), war ich jetzt doch zu faul, eine eigene Anleitung zu schreiben. Wenn SECCOS-Karten benutzbar sind, dann mache ich das. Erinnere mich bei Zeiten jemand dran. :)
Zu Beginn konnte ich mit GnuCash nichts anfangen und habe mich daraufhin für die unkomplizierteste aber proprietäre Lösung entschieden: Den Kauf von Moneyplex. Zusammen mit einem Klasse-3-Leser von Kobil (KAAN Standard Plus), der im Bundle verkauft wurde. Meine anfängliche Begeisterung über diese einfache Lösung wurde leider jäh beendet als ich mein System auf UTF-8 umstellen wollte.
Plötzlich ging einiges mit den Umlauten schief und sämtliche Texte wurden am ersten Umlaut angeschnitten. Bei den eigenen Aufträgen kann man das ja noch vermeiden, aber wenn eine Überweisung von außen kommt und einen Umlaut enthält ist das schon etwas schlecht. Zu dem Problem habe ich dann den Kundenservice von Matrica bemüht. Als Antwort bekam ich sinngemäß (Ja, das ist schon ein paar Jahre her): Bisher braucht keiner UTF-8, wir kennen keine Distribution, die UTF-8 als Standard benutzt, daher kann unsere Software das nicht. Über die Planungen zu diesem Thema ist uns nichts bekannt.
Bei der Gelegenheit (ich wollte das manuell reparieren) habe ich dann festgestellt, dass die Datenbank der Software ein undokumentiertes binäres Datengrab darstellt und die Exportfunktion nicht dafür gemacht ist, lesbare Daten zu schreiben. Kurzum: Das Programm kommuniziert mit mir nur über das User-Interface und ist nicht fähig, Daten lesbar zu speichern.
Nach diesen beiden Erfahrungen hat es noch wenige Stunden gedauert und Moneyplex war für immer von meinem Rechner verbannt.
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